Notstand ++

Veröffentlicht am 18. Oktober 2023 um 09:08

Notstand ++, das heißt, dass ich die schlimmste Nacht hinter mir habe, die ich mir eigentlich vorstellen kann. Abgesehen von der Nacht in der ich mich selbst einmal in die Geschlossene eingewiesen habe. Also nah dran, an dieser Nacht.

Wie kam es dazu? 

Ich bin ins Bett und habe direkt gemerkt, da kommt was auf, in meinem Kopf. Und so kam es auch. Gedanken angereichert in unendlichen Gefühlen. Ich bin also direkt aufgestanden, meine Frau war schon eingeschlafen, und habe mir direkt Höchstdosis Promethazin eingeworfen, da ich mir schon dachte, was kommt. 

Und es kam. Ich habe die Tabletten genommen und dabei wohl das Wasserglas zu doll abgestellt. Frau geweckt. "Was ist los?" fragt sie und ich habe natürlich geblockt: "alles ok".

Nein, war es nicht. Mein Haltepunkt schläft gerade und ich will ihn nicht wecken, da ich nicht weiß, wie ich das, was da gerade in mir hochkommt, überhaupt erklären soll. 

Also habe ich sie weiterschlafen lassen. Versuchen wir es alleine. Nach einer Stunde habe ich dann eine Lorozepan nachgelegt. Notfallmedikament. Nun war das Maximum drin. Was anderes bekomme ich in der Klinik auch nicht. 

Hilft aber nicht. Ich liege weiter wach und schaue mir die weiße Decke bei Nacht an. Die Gedanken beherrschen mich. Sie fangen an mir richtig nahe zu gehen. Ich fühle Dinge, die ich mir dann, treu nach dem Themen in der Therapie, selbst erkläre und mir klar machen möchte, dass dies Gefühle von früher sind, sie sind nicht von heute, es sind alte Gefühle. Sie sind nicht real.

Aber wie mein Glück es so will, ist eine Überzeugungskraft durch die letzten Tage massiv gesunken. Ich schaffe es nicht mich selbst zu regulieren. Wecke ich sie? Was kommt als nächstes? Gehe ich runter um zu lesen, dann wecke ich sie vermutlich erneut. Gehe ich raus um eine Runde zu laufen? Ne, dann wecke ich sie auch. Also liegenbleiben, Decke anstarren. Dann kommen die Heulattacken. Das Wasser läuft ohne ende, mein Kopfkissen war nass. Egal, weiter, du musst da durch. Dann schlafe ich für ca. 2 Stunden ein. Völlig fertig. 

Nicht aber meine Gedanken, sie beherrschen meine Träume. 

Ich träume, wie meine Frau mir gesteht, dass sie einen anderen nebenbei hat. "Was hast Du denn gedacht, Du bist so kaputt, ich kann mich doch nicht für dich aufgeben...."

Bumm. Gefühl war vorher schon da, der Traum danach,..... da war doch was? Ja, klar, ich habe teileweise Gefühle, bevor Aktionen eintreten. Ich kam einmal nach Hause und habe mich dem Gefühl ergeben müssen, dass mein erwachsener Sohn sich von mir abwendet. Das ich ihn verliere. Ich habe sehr unter diesem Gefühl gelitten.

Ein paar Monate später, war es dann soweit. Mein Sohn kappt alle Verbindungen zu mir. Warum? Ich weiß es nicht, vermute aber stark meine Ex-Frau dahinter (Narzisstin).

Ich habe es vorher gefühlt und das war kein Einzelfall. Ich habe ja auch mal von dem Gefühl geschrieben, dass ich im Ibiza Urlaub vor ein paar Jahren hatte. Ich hatte bei einem Bootsausflug, an einem Wunderschönen Tag, das einnehmende Gefühl, dass ich von meiner Frau getrennt bin und wir den Tag hier nur als gute Freunde verbringen. Sie hatte sich getrennt, ich war ihr zu viel, zu viele Probleme.

Hmmm, und da hatte ich heute wieder diese Gedanken und diesen Traum, dass sie einen anderen hat. Ich war ihr zu viel.

Dann schaltet sich der Unternehmer in mir ein und geht der Sache logisch auf den Grund. 

 

Fataler Fehler, nach ein paar Abgleichungen komme ich zu dem Ergebnis, ja, es könnte sein, dass sie sich von mir abwendet und mich nicht mehr begehrt. Da sind  klare Eckpfeiler zu erkennen, so analysiert der Unternehmer.

 

Und nun?

Meine Frau ansprechen?  Nein, auf keinen Fall, sie reagiert schon auf meine Anfragen dieser Art sehr angespannt: "Ich möchte mich meiner Liebe zur Dir nicht immer beweisen müssen." Ja, klar, verständlich. Bei einem gesunden Menschen schon. 

Also bleibt das ganze Thema in mir allein und wächst weiter. 

Dann habe ich weiter abgeglichen. Oh, ja, das stimmt auch, wir schlafen immer weniger zusammen. Eigentlich wenn überhaupt ein mal im Monat. Ist das Liebe? Was bin ich für sie? begehrt sie mich noch? 

Sprechen wir über meine Gedanken? Nein. Über meine Gefühle? Nein. Wenn wir nicht drüber sprechen, sind sie vielleicht nicht da und alles ist gut.  

Ich weiß nicht was ich hier sehe und was hier richtig und falsch ist. Ich liebe sie und will sie nicht verlieren, also sage ich nichts und stehe das irgendwie allein durch. Wenn ich das jetzt aufmache, ein altes Thema was lange zu war, was passiert dann? Geht sie dann vielleicht wirklich auf was neues ein?  Bin ich ihr dann doch zu viel, zu viele Problem?

 

"Ich kann das nicht mehr ertragen, immer muss ich dir beweisen, dass ich dich liebe, es reicht, das wars!"

 

Verübeln kann ich ihr das nicht. Ich weiß ja selbst nicht was ich aktuelle bin und was richtig und falsch ist. 

 

Bin ich einfach in einem Modus? Sind meine Gefühle gerade die Steuerung der Gedanken? Ich bin heute morgen dann, als sie wach wurde, direkt noch vor ihr aufgestanden und ins Büro gefahren. Jetzt sitze ich hier und schreibe. Einzige Lösung, um nicht meinen Gefühlen zu erliegen. 

Leben wollen? Nein, im Moment bin ich wieder an dem Punkt, an dem ich einfach sterben möchte. Umfallen, bumm, Tod.

Das wäre die einfachste Lösung. Keiner hätte mehr ein Problem, erst recht meine Frau nicht.  

Ja, so ein Hirnaneurysma kann schon eine schnelle Lösung sein. Wäre für mich eine klasse Sache.

 

Ich bin einfach müde, müde tagelang meine Gedanken zu stoppen, ohne zu wissen, was sie mir überhaupt sagen wollen. Sehe ich vielleicht wirklich etwas nicht? Lebe ich in einer von mir selbst erschaffenen Welt, die nicht das ist, was für andere die Realität ist?

 

Was soll ich machen? Mein  Notfallplan, den ich mit meiner Ärztin besprochen habe, ist seit heute Nacht außer Kraft gesetzt. Tabletten nehmen, Frau ansprechen, Klinik fahren, das sind die drei Punkte auf dem Notfallplan.

Bei Punkt zwei bin ich gescheitert. Punkt drei bringt mir nichts, da ich nun inzwischen weiß, dass es Hilfe nicht von außen gibt und erst recht nicht in einer Klinik. Da gibt es Medikamente, die ich hier selbst habe.

Notfallplan ade.

Was nun? Hilfe holen? Von wem? Es gibt keine Hilfe von außen. Lediglich meine Frau ist mein Anker. Ist sie das noch? Kann ich sie weiter mit meinem Kopf belasten?

 

In guten wie in schlechten Zeiten. Ja, aber schlecht ist hier bei mir jetzt gerade eine Apokalypse.

 

Was soll ich nur tun?

 

Schreiben. Ja, einfach raus schreiben den Scheiß. 

 

Ich bin alleine und muss da alleine durch, sonst bin ich auch noch vollkommen alleine, wenn meine Frau sich trennt, weil ich ihr zu viel werde. 

 

Oder ist es meine Pflicht sie von meinem Zustand zu unterrichten?

Ich hab keine Ahnung, aber das Risiko sie zu verärgern ist mir irgendwie zu hoch.

Ich bin ja eh einfach nur psychisch krank und es ist bestimmt nichts davon real. Scheiß auf Gefühle, aus damit und gut.

 

Ein Sturm zieht ja auch mal weiter. Wobei dieser hier nun seit Freitag anhält. Ich habe einfach keine Kraft mehr zu kämpfen.

 

Ich werde mir weiter Tabletten einwerfen und mal sehen wie weit ich komme. 


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Kommentare

Anonym
Vor 4 Monate

Hi, ich kenn deine Beziehung zu deiner Frau nicht, auch nicht, was sie für ein Typ ist. Ich kann dir nur von meiner Seite sagen, ich hätte mir so sehr gewünscht, wenn mein Ex-Freund, all diese Gedanken mit mir geteilt hätte. Er hat eher Manipulation angewendet, die genau ins Gegenteil geführt haben. Heute, wo ich ziemlich über alles informiert bin. Wäre es ein Segen gewesen, auch für mich, er hätte mit mir wirklich geredet. Wäre niemals so gemein geworden. Ich wünsch dir viel Kraft, Glück und ja gegebenfalls den Mut, es anzusprechen und das Verständnis deiner Frau 🍀

Anonym
Vor 2 Monate

Nettes Selbstmitleid und schöne Opfereinstellung.
Befasse Dich mit Deinen Ängsten und zwar ohne Tabletten.